An Natrium muriaticum sollte man denken, wenn Kinder und Jugendliche in ihrem eigenen Kummer gefangen sind. An Natrium muriaticum sollte man denken, wenn Kinder und Jugendliche in ihrem eigenen Kummer gefangen sind.

Von wegen unbeschwerte Zeit

Depressionen und Angststörungen im Kindes- und Jugendalter

Seelische Störungen oder manifeste psychische Erkrankungen können bereits im Kindes- und Jugendalter auftreten. Sogar Babys leiden schon unter Depressionen. Laut einer Erhebung des Robert-Koch-Instituts zeigen in Deutschland rund 20 Prozent aller unter 18-Jährigen psychische Auffälligkeiten – mit zunehmender Tendenz. Die Ursachen dafür liegen meist in der Schwangerschaft, der Geburtssituation oder in der frühen Kindheit, weshalb diese basalen Entwicklungsphasen im Leben eines Kindes in der homöopathischen Anamnese besonders aufmerksam betrachtet und analysiert werden.

Wodurch wird ein Kind depressiv?

Zunächst besteht eine gewisse genetische Disposition: Ein Kind mit einer depressiven Mutter oder einem seelisch kranken Vater hat ein höheres Risiko, selbst depressiv zu werden. Es wird aber davon ausgegangen, dass v.a. bei jüngeren Kindern die psychosozialen Faktoren im Vordergrund stehen. „Kinder brauchen den Widerhall im Gegenüber, sie müssen glänzende Augen bei ihren Eltern oder auch (bei) Oma oder Opa sehen, die sagen: „Wow, toll, dass es dich gibt, du bist das Größte für mich!“ (1) Der Grundstein für eine spätere depressive Neigung wird häufig bereits in der Schwangerschaft, unter der Geburt oder in der Neugeborenphase gelegt. Aufgrund der Symbiose zwischen Mutter und Kind während der Geburt gilt: „Alles, was die Mutter seelisch beim Geschehen des Geburtsvorgangs erlebt, können wir ohne Abstriche auch für das Kind annehmen.“ (2) Ein gestörtes oder gar fehlendes Bonding nach der Geburt kann beim Kind zu gravierenden seelischen Schäden führen. In jedem Fall bedeutet es einen schlechten Start ins Leben. Manche Menschen leiden bis an ihr Lebensende an der fehlenden Nestwärme in den ersten Wochen, Monaten oder Jahren – trotz Psychotherapie.

Mögliche Ursachen für psychische Störungen von Kindern und Jugendlichen

Woran erkennt man, dass ein Kind unter Depressionen leidet?

In den ersten Lebensjahren sind depressive Kinder meist apathisch und teilnahmslos. Kindergartenkinder ziehen sich zurück, beteiligen sich nicht am gemeinsamen Spiel. Typisch sind Schlafstörungen, begleitet von nächtlicher Unruhe und wiederholten Alpträumen. Die Kinder sind häufig entwicklungsverzögert, essen schlecht, sind auffällig ängstlich und extrem anhänglich. Neben den stillen, passiven Kindern, gibt es auch die sehr unruhigen, wilden. Diese schlagen mit dem Kopf gegen Bettgestell, Wand oder Boden, verletzen sich selbst und/oder reißen sich die Haare aus. Im Umgang mit anderen sind sie wenig kompromissfähig, streiten viel und agieren destruktiv. Ess- und Schlafstörungen sind auch im Schulalter ein wichtiger Indikator für ein seelisches Leiden. Häufig klagen diese Kinder über rezidivierende Kopf- und Bauchschmerzen unklarer Genese. Alarmierend ist auch ein Regredieren in Form von Einnässen, Einkoten oder Daumenlutschen.

Das Spiel gibt wichtige Hinweise für die seelische Gesundheit eines Kindes. Kai von Klitzing, Professor für Kinder- und Jugendpsychiatrie, hat beispielsweise herausgefunden, dass die Rollenspiele depressiver Kinder häufig schlecht ausgehen – das Happy End fehlt. Auch erzählen diese Kinder zu Hause, keiner wolle mit ihnen spielen, auch wenn dies nicht den Tatsachen entspricht. Sie fühlen sich ungeliebt und unverstanden.

Je älter Kinder werden, desto deutlicher treten körperliche und psychische Symptome einer Depression zutage. Ab dem Schulalter denken Kinder zunehmend über ihre Gemütsverfassung nach, sie beginnen diese zu reflektieren. Ihre Niedergeschlagenheit wird ihnen immer bewusster, sie spüren deutlich, dass sie anders sind als die Klassenkameraden, dass mit ihnen etwas nicht stimmt. Während die einen still und in sich gekehrt sind, reagieren andere mit Hyperaktivität und clowneskem Verhalten, um ihre Traurigkeit zu kompensieren. Beiden Gruppen gemeinsam ist eine gedrückte Grundstimmung: Sie haben keine rechte Freude am Leben.

Suizidgedanken oder -versuche werden mit zunehmendem Alter immer konkreter, v.a. bei Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren. Schätzungen zur Folge versucht jeder zehnte depressive Jugendliche mindestens einmal, sich ernsthaft das Leben zu nehmen. (3) In der Pubertät ist es besonders schwer, eine Depression zu erkennen und zu diagnostizieren. Das Stimmungsbarometer geht in dieser schwierigen Lebensphase ohnehin ständig rauf und runter. Pubertierende Jugendliche hadern häufig mit sich und der Welt, sind latent unzufrieden und orientierungslos. Auch lassen sie sich nicht gerne in die Karten schauen, ziehen sich in ihre eigene Welt zurück und verweigern gutgemeinte Hilfsangebote von Seiten der besorgten Eltern. Typische Anzeichen einer Depression in diesem Alter sind gravierende Essstörungen wie Bulimie oder Anorexie sowie anhaltende Schlafstörungen, aber auch latente Traurigkeit, Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit. Selbstverletzende, autoaggressive Tendenzen treten vor allem bei Mädchen zwischen 12 und 15 Jahren verstärkt auf. Dazu zählen Ritzen, Zigaretten auf der bloßen Haut ausdrücken, auf die heiße Herdplatte fassen, sich beißen oder schlagen und sich die Haut an den Fingerspitzen abreißen. Während Jungen ihre Aggressionen eher nach außen bringen, richten Mädchen ihre negativen Gefühle vermehrt gegen sich selbst.

Mögliche Behandlungsansätze

Natürlich sind die Grenzen zwischen einer vorübergehenden seelischen Verstimmung und einer manifesten Depression fließend. Und es hängt vor allem von der Dauer und der Schwere der Symptomatik ab, ob ernsthafter Behandlungsbedarf besteht. Schulmedizinisch ist für Kinder unter sechs Jahren keine Behandlung bei seelischen Erkrankungen vorgesehen. Psychopharmaka verbieten sich im Kindesalter ohnehin. Dennoch ist eine Psychotherapie auch bei kleinen Kindern sinnvoll und wichtig, um frühzeitig einzulenken. Auch die Klassische Homöopathie bietet im Falle einer chronischen Behandlung kompetente Hilfe und Unterstützung in jedem Lebensalter.

Klassische Homöopathie bei Depressionen

In der Klassischen Homöopathie gehen wir immer vom Individuum aus, d.h. entscheidend für die Verordnung des passenden Heilmittels ist die persönliche Geschichte des Patienten, seine individuelle Wahrnehmung und Empfindung sowie die Symptome, die der kranke Organismus an die Oberfläche bringt. Mögliche Erlebnisse oder Erfahrungen, die zu einer Depression im Kindes- und Jugendalter führen können, sind beispielsweise:

„Je früher es (das Psychotrauma) den Menschen in seinem Leben trifft, umso krankmachender – seelisch wie somatisch – wirkt es sich im Laufe des Lebens aus.“ (4)

Jedes Kind und jeder Jugendliche reagiert anders auf ein Psychotrauma, nicht nur seelisch, sondern auch körperlich. Mögliche Symptome, die uns zusammen mit den jeweiligen Modalitäten zum richtigen Arzneimittel führen können, sind:

Welche Mittel kommen in Frage?

Die Entscheidung für ein bestimmtes homöopathisches Mittel hängt von der Gesamtheit und Individualität der Symptomatik ab. Dennoch gibt es einige Mittel bzw. Mittelgruppen, die einen besonderen Bezug zum Kummer von Kindern und Jugendlichen haben. Diese sollen hier skizziert werden. Prinzipiell kommen aber auch viele andere Mittel in Betracht.

Muttermittel

Eine wichtige Arzneimittelgruppe bei (Bindungs-) Störungen in der frühesten Kindheit (Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett) sind die Muttermittel: Homöopathika, deren Ausgangssubstanzen der Schwangerschafts- und Neugeborenenphase entstammen und die menschlichen Ursprungs sind. Dazu zählen Mittel wie Folliculinum, das Östrogen aus dem Ovarialfollikel, Aqua amniota humana, das menschliche Fruchtwasser, Placenta humana, gewonnen aus der menschlichen Plazenta, Umbilicus humanus, die menschliche Nabelschnur, Vernix caseosa, auch Käseschmiere genannt, Oxytocin, ein Hormon, das im Hypothalamus gebildet wird, auch „Bindungshormon“ genannt, und Lac humanum (oder maternum), die Muttermilch. Diese Mittel sind angezeigt, wenn die Causa für die psychische Störung in der Zeit um die Geburt zu suchen ist, beispielsweise wenn die Schwangerschaft ungewollt war, die Mutter keine Beziehung zu dem Ungeborenen und/oder zu dem Neugeborenen herstellen konnte, wenn das Bonding nicht oder nur mangelhaft stattgefunden hat. Das kann auch bei Frühgeborenen oder ganz allgemein bei Kindern der Fall sein, die unmittelbar nach der Entbindung intensivmedizinisch betreut werden mussten und in den ersten Tagen oder Wochen wenig oder gar keinen liebevollen Umgang mit Mutter oder Vater erfahren konnten. Das Gleiche gilt für Kinder, die zur Adoption freigegeben wurden und daher überhaupt keinen Kontakt zur leiblichen Mutter hatten.

Carcinosinum – der kleine Erwachsene

Diese Nosode aus karzinogenem Brustgewebe ist ein wichtiges Heilmittel für Kinder oder Jugendliche, die viel zu früh Verantwortung für sich und andere übernehmen müssen. Als Causa finden wir häufig eine dauerhafte Überforderung mit Eltern, die dem Kind zu viel an Leistung und Verantwortung abverlangen, worauf das Kind mit enormer Anstrengung und Leistungsbereitschaft reagiert. Oder die Eltern sind überängstlich und „erdrücken“ das Kind mit ihrer übertriebenen Fürsorge. Auch in diesem Fall ist keine gesunde Entwicklung möglich. Ein weiterer Nährboden der Carcinosinum-Pathologie sind Elternhäuser, die jegliche gesunde Aggression bereits im Keim ersticken, was eine mitunter lebenslange Unterdrückung negativer Gefühle zur Folge hat. Das Kind wächst mit dem Bewusstsein auf, dass Liebe und Zuneigung nur der bekommt, der sich lieb, friedfertig und angepasst verhält. „In sich selbst eingekerkert wenden diese Patienten ihre Aggressionen gegen sich selbst und leiden unter Allergien, Schlaflosigkeit und schließlich Krebs“, wie der französische Homöopath Didier Grandgeorge konstatiert. (5)

Carcinosinum-Kinder sind in der Regel pflegeleicht: Sie passen sich an, versuchen möglichst wenig (negativ) aufzufallen und es allen recht zu machen, um nicht getadelt oder kritisiert zu werden. Sie sind sehr empfindlich auf Unstimmigkeiten in der Familie – Streit können sie schlecht aushalten. Zudem haben sie hohe Ansprüche an sich selbst und an ihre Leistungen, Kontrolle ist ihnen äußerst wichtig.

Eine Bestätigung auf körperlicher Ebene sind blaue Skleren, Café-au-lait-Flecken, viele Muttermale und schwer verlaufende Infektionskrankheiten in der Vorgeschichte sowie Krebs in der Familie.

Wichtige Rubriken


G – Anorexia (69): Carc. (1-w.)
G – Anorexia – Kindern; bei (2): Carc. (1-w.)
G – Beißen – Nägel (= Nägelkauen) (72): Carc. (1-w.)
G – Beschwerden durch – Missbrauch, Misshandlung, nach – sexuellem Missbrauch; nach (48): Carc. (3-w.)
G – Beschwerden durch – Streit, Streitigkeiten (21): Carc. (3-w.)
G – Beschwerden durch – Tadel (33): Carc. (1-w.)
G – Bulimie (93): Carc. (1-w.)
G – Pflicht – zu viel Pflichtgefühl – Kindern, bei (23): Carc. (3-w.)
G – Verstümmelt seinen Körper (37): Carc. (1-w.)
G – Waschen – Verlangen zu waschen – Hände; wäscht sich ständig die (23): Carc. (1-w.)
Mund – Sprache – stotternd (97): Carc. (1-w.)
Blase – Urinieren – unwillkürlich – nachts – Kindern, bei (15): Carc. (1-w.)

Natrium muriaticum – gefangen im eigenen Kummer

Natrium muriaticum ist eine der zentralen Arzneien bei Beschwerden durch anhaltenden Kummer. Diese Kinder oder Jugendlichen fühlen sich massiv gekränkt und gedemütigt. Ihr Hauptempfinden ist Enttäuschung durch die Bezugsperson (en), meist ist es die Mutter, von der sie sich vernachlässigt und nicht bedingungslos geliebt fühlen, beispielsweise, weil diese, selbst depressiv, dazu nicht in der Lage ist bzw. war.

Um den großen seelischen Schmerz aushalten zu können, vergraben sie ihn tief in ihrem Inneren. Wenn man ihnen gegenübersitzt, wirken diese Patienten zwar sehr bedürftig, gleichzeitig aber verschlossen, wie erstarrt in ihrem Kummer. Aus Angst, erneut enttäuscht zu werden, halten sie mit ihren Gefühlen hinterm Berg, Tränen rollen nur, wenn niemand zusieht oder in Gegenwart einer Vertrauensperson. Im Beisein Fremder können sie nicht loslassen, weshalb es ihnen auch so schwerfällt, in Anwesenheit anderer zu urinieren oder eben zu weinen. Einerseits fühlen sie sich allein und verlassen: zu schwach um den Anforderungen des Lebens zu trotzen, andererseits hegen sie einen inneren Groll gegen Menschen, die ihnen jemals etwas „angetan haben“ und wenden sich brüsk von ihnen ab. Sie tun sich sehr schwer, Hilfe anzunehmen oder gar einzufordern, wodurch sie sich selbst im Wege stehen. Die nicht geweinten Tränen ergießen sich nachts, wenn die Kontrolle des Bewusstseins ausgeschaltet ist, in Form von Bettnässen. Auch geben sich Natrium-muriaticum-Kinder selbst die Schuld an ihrem Kummer: Sie glauben, dass es an ihnen liegt, wenn sie enttäuscht oder gar verlassen werden, was zu autoaggressiven Handlungen führen kann.

Wichtige Rubriken


G – Anorexia (69): Nat-m. (2-w.)
G – Beißen – Nägel (= Nägelkauen) (72): Nat-m. (2-w.)
G – Beschwerden durch – Enttäuschung (53): Nat-m. (3-w.)
G – Beschwerden durch – Grobheit anderer (20): Nat-m. (3-w.)
G – Beschwerden durch – Kränkung, Demütigung (78): Nat-m. (3-w.)
G – Beschwerden durch – Kummer (94): Nat-m. (4-w.)
G – Beschwerden durch – Liebe; enttäuschte (57): Nat-m. (4-w.)
G – Beschwerden durch – Vernachlässigung; durch – Mutter; durch die (14): Nat-m. (2-w.)
G – Bulimie (93): Nat-m. (1-w.)
G – Gesten, Gebärden; macht – Finger – Mund; Kinder stecken die Finger in den (23): Nat-m. (1-w.)
G – Kummer, Trauer – still (38): Nat-m. (3-w.)
G – Quält sich (9): Nat-m. (1-w.)
G – Verstümmelt seinen Körper (39): Nat-m. (1-w.)
G – Waschen – Verlangen zu waschen – Hände; wäscht sich ständig die (23): Nat-m. (1-w.)
G – Weinen – kann nicht weinen, obwohl er traurig ist (31): Nat-m. (4-w.)
Auge – Zucken (76): Nat-m. (1-w.)
Mund – Sprache – stotternd (97): Nat-m. (1-w.)
Blase – Harnverhaltung – Anwesenheit anderer nicht urinieren; kann in (6): Nat-m. (3-w.)
Blase – Urinieren – unwillkürlich – Kindern, bei (16): Nat-m. (1-w.)
Allg. – Zucken (233): Nat-m. (2-w.)

Hyoscyamus – Aufmerksamkeit durch negative Kontaktaufnahme

Hyoscyamus-Kinder leiden unter extremer Eifersucht: Sie fühlen sich im Stich gelassen, verraten und betrogen. Um die ersehnte Liebe und Aufmerksamkeit zu bekommen, reagieren sie nicht mit Wohlverhalten, sondern mit Provokation. Sie schreien, spucken, sind boshaft, beleidigend, taktlos, indiskret, intrigant und impertinent. Häufig ist der Auslöser die Geburt eines Geschwisterchens oder ein neuer Partner an der Seite von Mutter oder Vater. Das Kind hat das Gefühl, keinen sicheren Platz mehr in der Familie zu haben. Körperliche Reaktionen können sein: Nägelkauen, Einkoten und Einnässen, nächtliches Zähneknirschen, vorgetäuschte Krankheiten und autoaggressives Verhalten.

Charakteristisch für Hyoscyamus ist die Schamlosigkeit ihres Verhaltens: Kinder ziehen sich nackt aus und masturbieren ungeniert in Anwesenheit anderer. Jugendliche provozieren vor allem durch sexistische, schamlose Bemerkungen und „unanständige“ Witze. Sie benehmen sich lüstern und lasziv, lachen albern und dümmlich dabei. Daneben hat Hyoscyamus auch eine gewalttätige Seite. Ebenfalls aus enttäuschter Liebe und rasender Eifersucht kann der Hyoscyamus-Patient so in Rage geraten, dass er zuschlägt und den Impuls verspürt, zu töten.

Wichtige Rubriken


G – Albernes Benehmen (93): Hyos: (3-w.)
G – Beißen – Nägel (= Nägelkauen) (72): Hyos. (2-w.)
G – Beschwerden durch – Eifersucht (12): Hyos. (3-w.)
G – Beschwerden durch – Liebe; enttäuschte (57): Hyos. (3-w.)
G – Beschwerden durch – Missbrauch, Misshandlung; nach (57): Hyos. (2-w.)
G – Bulimie (93): Hyos. (2-w.)
G – Eifersucht – Raserei, mit (2): Hyos. (3-w.)
G – Gesten, Gebärden; macht – Tics; nervöse (24): Hyos. (1-w.)
G – Grimassen (31), Hyos. (2-w.)
G – Lasziv, lüstern (116): Hyos. (3-w.)
G – Nackt sein, möchte (24): Hyos. (4-w.)
G – Schamlos (36): Hyos. (3-w.)
G – Sich; schlägt (30): Hyos. (1-w.)
G – Schlägt seinen Kopf gegen die Wand und gegen Gegenstände (20): Hyos. (1-w.)
G – Schmutzig – Urinieren und Defäkieren überall – Kindern; bei (5): Hyos. (2-w.)
G – Verstümmelt seinen Körper (37): Hyos. (1-w.)
Allg. – Zucken (233): Hyos. (3-w.)
Auge – Zucken (76): Hyos. (1-w.)
Mnl. G – Masturbation; Neigung zu – Kindern; bei (27): Hyos. (3-w.)
Wbl. G – Masturbation; Neigung zu – Kindern; bei (28): Hyos. (3-w.)

Stramonium – allein in der Wildnis

Kinder oder Jugendliche, deren Heilmittel Stramonium ist, zeigen wie Hyoscyamus ein stark auffälliges Verhalten. Die Causa ist hier Schreck oder Schock, z.B. durch ein bedrohliches Erlebnis, das sie nicht verarbeiten konnten, wie Gewalt oder Missbrauch. Dieses kann sich auch in der Schwangerschaft ereignet und über die Mutter auf das Ungeborene übertragen haben. Die Betreffenden neigen selbst zu gewalttätigen, destruktiven Ausbrüchen: Sie beißen, kratzen, treten, stampfen mit den Füßen, schlagen oder ziehen an den Haaren. Typisch sind auch alberne Gesten und Tics: unwillkürliche Bewegungen wie Tremor, Zuckungen, Chorea und Konvulsionen. Sie fühlen sich v.a. nachts verfolgt, haben Angst im Dunkeln und erwachen panisch schreiend, ohne ganz bei sich zu sein. Häufig werden sie geplagt von schrecklichen Alpträumen, daher ist ihr Schlaf ruhelos: Sie knirschen mit den Zähnen, werfen sich hin und her, stöhnen und schreien im Schlaf, schluchzen und wimmern kläglich. Wasser löst ebenfalls Furcht aus – bereits das Geräusch laufenden Wassers kann Panik hervorrufen. Stramonium-Kinder oder -Jugendliche neigen zum Stottern: Sie müssen sich sehr anstrengen, um nur ein einziges Wort herauszubringen. Bettnässen ist ebenfalls ein Thema. Insgesamt sind diese Kinder und Jugendlichen wenig kooperativ: Sie neigen zu bösartigem, streitsüchtigem Verhalten. Ihr Blick ist dabei wild, das Gesicht kongestiv, hellrot und gedunsen, die Pupillen sind weit. Im Säuglingsalter besteht eine Veranlagung zu Fieberkrämpfen. Eine Entspannung tritt erst ein, wenn der tiefsitzende Schreck erkannt und ausgelöscht wurde.

Wichtige Rubriken


G – Beschwerden durch – Missbrauch, Misshandlung; nach (57): Stram. (1-w.)
G – Beschwerden durch – Schreck (85): Stram. (2.w.)
G – Gesten, Gebärden; macht – Tics; nervöse (24): Stram. (1-w.)
G – Grimassen (31): Stram. (2-w.)
G – Sich selbst; beißt (12): Stram. (1-w.)
G – Verstümmelt seinen Körper (37): Stram. (1-w.)
Gesicht – Tic, Muskelzucken (5): Stram. (1-w.)
Mund – Sprache – stotternd (97): Stram. (3-w.)
Mund – Sprache – stotternd – erschöpft, lange bevor er ein einziges Wort ausstoßen kann; ist (1): Stram. (3-w.)
Blase – Urinieren – unwillkürlich – nachts – Schreck; nach (2): Stram. (1-w.)

Lac caninum aus der Milch einer säugenden Hündin ist ein Mittel für sensible Menschen mit niedrigem Selbstwertgefühl und der Tendenz, sich unterzuordnen. In der Regel unterdrücken sie ihre Aggressionen, aus Angst, zurückgewiesen zu werden. Lac caninum aus der Milch einer säugenden Hündin ist ein Mittel für sensible Menschen mit niedrigem Selbstwertgefühl und der Tendenz, sich unterzuordnen. In der Regel unterdrücken sie ihre Aggressionen, aus Angst, zurückgewiesen zu werden.

Lac caninum – ich bin nichts wert

Lac caninum, potenzierte Hundemilch, ist ein Mittel für hochempfindliche Kinder oder Jugendliche mit niedrigem Selbstwertgefühl, die sich allein und verlassen fühlen, aber auch wertlos, misshandelt und missbraucht – wie ein „Straßenköter“, der von allen getreten wird und der sich für jedes bisschen Zuneigung erniedrigen muss. Er kann nicht wie er möchte, weil er sonst bestraft wird. Er muss sich beugen, weil er von seinem „Herrchen“ oder „Frauchen“ abhängig ist. Lac caninum ist ein wichtiges Mittel bei Psychotrauma nach sexuellem Missbrauch: Die Betreffenden empfinden Abneigung sich selbst gegenüber: Sie können sich und ihren Körper nicht leiden, finden sich ekelhaft und hässlich, verachten sich regelrecht.

Auffallend an dem Mittel ist der Seitenwechsel: Die körperlichen Symptome wechseln mehrfach die Seite (mal links, mal rechts). Die deutlich ausgeprägte Geruchsempfindlichkeit stellt einen weiteren Hinweis auf die Ausgangssubstanz dar. Mittelweisend ist die Furcht vor Schlangen.

Wichtige Rubriken


G – Beißen – Nägel (72): Lac-c. (1-w.)
G – Beschwerden durch – Missbrauch, Misshandlung; nach (57): Lac-c. (2-w.)
G – Schreien – Schlaf, im (97): Lac-c. (2-w.)
G – Selbstvertrauen – Mangel an Selbstvertrauen – Selbstherabsetzung; Selbstherabwürdigung (36): Lac-c. (1-w.)
G – WI – schmutzig – er sei (17): Lac-c. (2-w.)
G – Waschen – Verlangen zu waschen – Hände; wäscht sich ständig die (23): Lac-c. (2-w.)
G – Widerwillen – selbst; vor sich (29): Lac-c. (1-w.)
Blase – Urinieren – unwillkürlich – Kindern, bei (16): Lac-c. (1-w.)
Blase – Urinieren – unwillkürlich – nachts – Kindern, bei (15): Lac-c. (1-w.)

Staphisagria – gekränkt und gedemütigt

Staphisagria-Kinder oder -Jugendliche sind sehr leicht verletzbar und äußerst empfindlich, v.a. gegen Beleidigungen, Kränkung und Demütigung. Sie fühlen sich häufig allein und verlassen, leiden darunter, nicht genügend geliebt oder akzeptiert werden. Meinen sogar, die anderen würden sie verachten und ausgrenzen, was leider oft der Fall ist. Kinder leben in der dauernden Angst, von der Mutter verlassen zu werden. Dabei bedauern sie sich selbst und jammern, wenn sie krank oder bedürftig sind.

Nach außen treten sie sanft, ruhig und eher bescheiden auf, fordern aber durch ihre Art ein respektvolles Entgegenkommen ein: Ihre Sensitivität gegenüber rauer Anrede oder respektlosem Benehmen ist deutlich spürbar. Typisch für Staphisagria ist auch der unterdrückte Zorn, der sich in einem Moment des Kontrollverlustes eruptiv und gewaltsam entlädt. Wenn dies nicht gelingt, folgen Schuldgefühle, den eigenen hohen Ansprüchen nicht zu genügen. Staphisagria ist ein wichtiges Mittel bei Mobbing in der Schule. Der Grund: Die Betreffenden lassen sich zu vieles gefallen und wehren sich kaum, das macht sie zu begehrten Opfern. Sie fühlen sich überfordert und hilflos. Die Folgen sind Schlaf- und Angst- und Essstörungen mit Einnässen und -koten, diversen Tics sowie Bauchschmerzen.

Wichtige Rubriken


G – Anorexia (69): Staph. (1-w.)
G – Beschwerden durch – Liebe; enttäuschte (57): Staph. (3-w.)
G – Beschwerden durch – Missbrauch, Misshandlung, nach (57): Staph. (2-w.)
G – Beschwerden durch – Missbrauch, Misshandlung, nach – sexuellem Missbrauch; nach (48): Staph. (3-w.)
G – Beschwerden durch – Zorn; durch – unterdrückten Zorn; durch (50): Staph. (3-w.)
G – Bulimie (93): Staph. (1-w.)
G – Gesten, Gebärden; macht – Tics; nervöse (24): Staph. (1-w.)
G – Schmutzig – Urinieren und Defäkieren überall – Kindern; bei (5): Staph. (1-w.)
G – Wirft mit Gegenständen um sich (34): Staph. (3-w.)

Fazit

Seelische Störungen bei Kindern und Jugendlichen müssen immer ernst genommen und entsprechend therapiert werden. Die Klassische Homöopathie und hier speziell die Empfindungsmethode nach Sankaran kann dazu wertvolle Dienste leisten, da nicht nur die offensichtlichen Symptome in die Mittelfindung einbezogen werden, sondern die tiefste Ebene der menschlichen Psyche und Empfindung.

Anmerkungen

(1) Interview mit Kai von Klitzing von Johanna Bruckner „Aufhorchen, wenn Geschichten immer schlecht ausgehen“ in: SZ, 16. 05. 14
(2) Gnaiger-Rathmanner, Jutta / Mayr, Rosemarie: Homöopathie bei Psychotrauma. Haug Verlag. Stuttgart, 2014. S. 103
(3) siehe: www.depression-depression.net/depression-bei-Kindern/symptome-nach-lebensalter.htm
(4) Gnaiger-Rathmanner, Jutta / Mayr, Rosemarie: Homöopathie bei Psychotrauma. Haug Verlag. Stuttgart, 2014. S. 111
(5) Vermeulen, Frans: Prisma. Emryss Verlag. Haarlem, 2006. S. 450

(Dorit Zimmermann)