Wenn sich zwei Menschen ineinander verlieben, kommen nicht nur zwei Erwachsene zusammen, sondern auch zwei „innere Kinder“, das führt mitunter zu Konflikten.

Ein Paar werden ist nicht schwer, ein Paar bleiben dagegen sehr

Wenn es Amor gefällt, dass sich zwei Menschen ineinander verlieben, sind sie nahezu machtlos dagegen. Mit seinen Pfeilen trifft Cupido mitten ins Herz. Sich zu verlieben, ist kein bewusster Akt. Und wenn wir uns fragen, warum es gerade dieser eine Mensch sein musste, haben wir oft keine befriedigende Antwort. Natürlich können wir sagen, was uns am anderen gefällt, warum wir uns zu ihm hingezogen fühlen. Aber weshalb es gerade bei diesem Menschen „gefunkt“ hat, das bleibt Amors Geheimnis. Gemäß dem Sprichwort „Gegensätze ziehen sich an“, sind Paare oft recht heterogen, was Temperament und Charakter angeht. Das, was wir bei uns selbst vermissen, suchen wir beim Partner, das fasziniert uns, zieht uns magisch an. Am Anfang einer Beziehung sorgen diese Gegensätze für positive Spannung. Doch mit der Zeit sind es genau diese „fremden“ Eigenschaften, die uns „auf die Palme bringen“ und für Reibung in der Partnerschaft sorgen.

Damit aus der anfänglichen Verliebtheit eine stabile Lebensgemeinschaft werden kann, ist harte Arbeit nötig. Oder anders formuliert: Sich zu verlieben ist ein Geschenk, Liebe das Ergebnis ständigen Bemühens umeinander. Voraussetzung für eine tragfähige Beziehung sind Achtung und Respekt vor den Gefühlen und Bedürfnissen des anderen. Was am Anfang so einfach erscheint, wird mit den Jahren immer schwieriger: mit dem Partner im Gespräch zu bleiben, sich auszutauschen, Interesse an den Gedanken des anderen zu zeigen, Zeit miteinander zu verbringen. Nur, wenn beide bereit sind, sich aktiv für die Partnerschaft einzusetzen, hat die Beziehung eine Chance. Sobald das Interesse nachlässt, die Partnerschaft für selbstverständlich genommen wird, Beruf oder Hobby mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird, beginnt das sensible Pflänzchen „Liebe“ zu verkümmern. Eine Paartherapie oder Paarbegleitung kann dann wie ein Dünger wirken, der die Liebe neu belebt und zum Blühen bringt. Damit dies gelingt, müssen beide Partner bereit sein, an der Wiederbelebung ihrer Beziehung tatkräftig mitzuwirken.

Koalitionsverhandlungen

Wenn zwei Parteien erwägen, eine Koalition miteinander einzugehen, findet zunächst eine Konsolidierung statt. Dabei wird ausgelotet, ob es eine solide Grundlage für die Zusammenarbeit gibt. Nur wenn beide Seiten in wesentlichen Punkten an einem Strang ziehen, das Fundament stabil genug ist, können sie in Koalitionsverhandlungen eintreten. Im Rahmen dieser Gespräche kommen sämtliche Anliegen und Wünsche für die gemeinsame Arbeit auf den Tisch. Jede Partei formuliert, was ihr wichtig ist, aber auch, in welchen Punkten sie zu Kompromissen bereit ist. Stellt sich heraus, dass es mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede gibt, kann der Koalitionsvertrag unterzeichnet werden.

Solange zwei Menschen noch miteinander reden, besteht Hoffnung, dass die Beziehung gerettet werden kann.

Eine Paartherapie läuft ganz ähnlich ab: Zunächst muss überprüft werden, ob die Voraussetzung für den Fortbestand der Beziehung gegeben ist. In Form einer Konsolidierung tragen beide Seiten ihre Wünsche und Bedürfnisse an die Partnerschaft vor. Haben beide das gleiche Ziel? Wollen beide an der Beziehung festhalten oder hat einer bereits mit der Partnerschaft abgeschlossen? Nur wenn beide Partner bereit sind, sich für die Beziehung einzusetzen, ihre Ziele und Wünsche nicht zu weit voneinander abweichen, kann die Paarbegleitung in die nächste Runde gehen. Im Rahmen der nun folgenden Koalitionsverhandlungen bekommt jeder gleich viel Zeit und Raum, um seine Bedürfnisse vorzutragen. Der Therapeut überwacht, dass sich die Partner gegenseitig zuhören und verstanden haben, was der andere gesagt hat. Den Schluss bildet eine Art Vertrag mit den wesentlichen Zielen und Inhalten. Es wird formuliert, was beiden wichtig ist, worauf sie großen Wert legen, was sie sich vom anderen wünschen und in welchen Fragen sie zu Kompromissen bereit sind. Es versteht sich von selbst, dass beide sich an die Vereinbarungen halten. Dabei kann es sinnvoll sein, sich in größeren Abständen noch einmal zu Dritt zu treffen, um zu überprüfen, ob die Inhalte des Koalitionsvertrages dem Alltag standhalten oder ob sie der Realität angepasst werden müssen.

Das Allerwichtigste ist jedoch die Bereitschaft zu friedlicher Kommunikation: sich gegenseitig zuhören, die Wünsche des anderen wahrnehmen und respektieren und sich auf Augenhöhe begegnen.